Zinskommentar Februar 2020

Entwicklung der Wirtschaft

 

Deutschland: 

Bis vor kurzem standen die Zeichen für die deutsche Konjunktur auf „Bodenbildung“. Nach den teils schlechten Zahlen 2019 gab es sowohl einen Anstieg des ifo Geschäftsklimas als auch leicht bessere Zahlen für das BIP-Wachstum in Q3 und Q4 2019.

Nun zieht die Covid-19-Epidemie einen Strich durch alle bisherigen Prognosen: Es ist zwar weniger die Krankheit als die Angst vor ihr und die dadurch ausgelösten Maßnahmen. Aber an der Wirkung gibt es kaum Zweifel. Es wird mit einem Rückgang um je 0,2% in den ersten beiden Quartalen gerechnet. Dieser Rückschlag kann bis Jahresende 2020 nicht aufgeholt werden, so dass die Prognose für das Gesamtjahr von 0,4% auf -0,1% sinken wird.

Eurozone:

Die langfristigen EUR-Zinsen (Bund) sind im Jahr 2019 auf neue Allzeittiefs gesunken. Anschließende Korrektur-tendenzen sind bereits wieder beendet. Eine anhaltende Konjunkturschwäche hält die historischen Tiefstände in Reichweite. Wegen der Konjunkturrisiken sowie niedriger Inflationserwartungen behält die EZB ihre geldpolitische Lockerungsneigung bei, der Einlagesatz dürfte im Jahr 2020 ein weiteres Mal auf dann -0,60 % gesenkt werden. Zudem dürfte die EZB auf absehbare Zeit netto Anleihen kaufen, was auf die Langfristzinsen drückt. Eine geldpolitische Wende ist auf absehbare Zeit vom Tisch. Die Langfristzinsen (10Y Bund) dürften zunächst unweit ihrer Allzeittiefs seitwärts tendieren. Im Jahresverlauf 2020 ergibt sich im Zuge einer konjunkturellen Stabilisierung Potenzial für einen moderaten Anstieg. Ein Ende der Negativzinsphase ist indes auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

USA:

Fed-Chef Powell hat auf den wachsenden Druck der Finanzmärkte reagiert und per Eilerklärung bekundet, die Fed werde „angemessen handeln“ um die Wirtschaft zu stützen. In der Vergangenheit war diese Formulierung ein Signal für eine baldige Zinssenkung. Der US-Rentenmarkt hat bereits für die nächste Fed - Sitzung am 18.03. eine Zinssenkung eingepreist, bis Ende 2020 gar mehr als vier Zinsschritte. Wir halten diese Erwartung für etwas zu ambitioniert und gehen insgesamt für 2020 von Zinssenkungen um kumuliert 50 Bp aus. Auch mit Blick auf die EZB sind die Spekulationen auf neuerliche Zinssenkungen wieder deutlich aufgelebt. Wir halten einen Zinsschritt beim Einlagesatz auf -0,60 % für realistisch, erwarten danach jedoch unveränderte Zinsen. Mit Blick auf die USD-Langfristzinsen schließen wir kurzfristig einen Rutsch bis auf 1 % nicht aus, sehen mittelfristig aber Potenzial für eine Gegenbewegung. Die 10-jährige Bundrendite könnte ihr Tief vom September 2019 erneut testen, sollte insgesamt jedoch in der bisher beobachteten Bodenbildungsformation bleiben.

Weltwirtschaft:

Die Verunsicherung innerhalb der Weltwirtschaft aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 auf China und die globalen Wertschöpfungsketten sowie die bereits ergriffenen und wohl noch zu ergreifenden Schutz - und Quarantänemaßnahmen belasten den Konsum und die Investitionen weltweit. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere BIP-Prognosen für eine Reihe von Schlüsselländern und für die Weltwirtschaft insgesamt nach unten revidiert. Derzeit ist nicht absehbar, wie stark die Covid -Epidemie die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen wird. Grundsätzlich ist mit Blick auf die jüngste Ausbreitung von Covid-19 aber von einem nur schwachen Wachstum der Weltwirtschaft im ersten Halbjahr 2020 auszugehen.

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