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Zinskommentar April 2012 -- Zinsen - es geht immer noch tiefer...

Nachdem der DGZF-Index sich im letzten Monat zwischenzeitlich um 20 Basispunkte nach oben bewegt hatte durchschlug er am 10. April 2012 auch die 2,40 Marke nach unten und kam erst bei 2,38% für 10-jährige Mittel zum Stehen!

In ihrer letzten Sitzung am 04.04.2012 beließ die Europäische Zentral-bank (EZB) die Leitzinsen auf dem historisch niedrigen Niveau von 1%. EZB-Präsident Draghi hat dabei weiterhin die Konjunkturaussichten in Euroland kritisch eingeschätzt und die Inflationsrisiken als harmlos dargestellt. Mit diesen Aussagen unterstreicht er das bekannte Dilemma in der Eurozone. Für wen macht die EZB eigentlich die Zinspolitik? Für den harten Kern strukturell gesunder Volkswirtschaften zu denen Deutschland, Holland und Österreich jedenfalls gehören, oder für die strukturell angeschlagenen Südländer, die unter schwachem Wachstum und höheren Finanzierungskosten leiden? Gibt es für diese beiden Gruppen überhaupt eine Chance auf eine gemeinsame Zinspolitik? Die Antwort, muss wohl ein klares Nein sein. Die Entwicklung in Euroland führt somit zu immer größeren Divergenzen zwischen den einzelnen Ländern:

Die Rahmendaten für Deutschland sehen aktuell recht verheißungsvoll aus.
•    Der ifo Geschäftsklimaindex stieg moderat an auf 109,8 Punkte im März (zuvor 109,6).
•    Der GfK-Gesamtindikator prognostiziert für das Konsumklima im April einen Wert von 5,9 Punkten, nach 6,0 Punkten im März.
•    Die jährliche Teuerungsrate lag im März der vorläufigen Schätzung zufolge bei 2,1 %.
•    Die Arbeitslosenquote fiel in saisonbereinigter Rechnung von 6,8 % im Februar auf 6,7 % im März.


Die Grafik verdeutlicht, dass Deutschland der einzige Staat ist, der sein Top-Rating behalten hat. Die Bonität der PIIGS-Staaten hat trotz umfangreicher Stützungsmaßnahmen kontinuierlich abgenommen. Nach den letzten Rettungsaktionen hat lediglich Fitch die Bonität Griechenlands nach oben korrigiert.

Für die nächsten Monate wird sich aufgrund der beschriebenen Herausforderungen für die Südländer nichts an der Politik der EZB ändern. Die Leitzinsen werden tief bleiben. Eventuell im Laufe des Jahres noch einmal gesenkt werden. Die deutschen Bundesanleihen werden weiterhin eine hohe Sicherheitsprämie von internationalen Investoren zugebilligt bekommen und damit werden auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen in Deutschland tief bleiben. Und diese sind auch die Referenz für die Baugeldkonditionen hierzulande.

Die Aussichten für die Wohnungswirtschaft bleiben also gut. Auch in den nächsten Wochen und Monaten kann mit sehr attraktiven Zinsen gerechnet werden. Mittelfristig besteht allerdings die Gefahr, dass steigende Inflationsraten die Kosten für langfristige Sollzinsbindungen steigen lassen. Daher sollte gerade jetzt mit einer langfristigen Fixierung der Konditionen für Kalkulationssicherheit gesorgt werden.

Damit bleibt vorerst der Baufinanzierungskunde in Deutschland der große Profiteur der Euro-Krise. Denn ohne die Krise wären die Zinssätze in Deutschland - bezogen auf unsere eigene Konjunktur-entwicklung - zumindest 2-3 Prozentpunkte höher.

Quellen: DekaBank - DGZF Chart / Interhyp-Zinskommentar / Marktüberblick LBBW Research

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